UniGR-CBS Working Paper Vol.3: Territorial Science Echo: Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung in der Großregion: differenzierte Wirtschaftsentwicklung und Wirkungen der grenzüberschreitenden Beschäftigung/ Emploi et développement économique au se

UniGR-CBS Working Paper Vol.3: Territorial Science Echo: Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung in der Großregion: differenzierte Wirtschaftsentwicklung und Wirkungen der grenzüberschreitenden Beschäftigung/ Emploi et développement économique au se

Grenzraum
Europe, Grande Région
Sprache(n)
Französisch
Deutsch
Einleitung

Dieses Working Paper präsentiert aktuelle Forschungsergebnisse in den Bereichen Beschäftigung,  Arbeitsmarkt und Wirtschaftsentwicklung in der Großregion und leitet Herausforderungen für die Raumentwicklung der Großregion ab.

Zusammenfassung

Das Working Paper beleuchtet den Themenbereich ‚Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung‘ und arbeitet Herausforderungen für die Raumentwicklung der Großregion ab. Insbesondere legt es einen Fokus auf die Industriegeschichte sowie die Beschäftigung und grenzüberschreitende Arbeit in der Großregion.

Inhalt

Die Idee des Territorial Science Echo wurde im Rahmen des INTERREG Projektes UniGR-Center for Border Studies im Jahr 2018 ins Leben gerufen. Das UniGR-CBS ist ein grenzüberschreitendes Netzwerk von rund 80 WissenschaftlerInnen der sechs Mitgliedsuniversitäten der Universität der Großregion, die über Grenzen, ihre Bedeutungen und Herausforderungen arbeiten. Das Territorial Science Echo dient dem grenzüberschreitenden Wissenstransfer von innovativem raumplanerischem Wissen der ForscherInnen des Center for Border Studies der Universität der Großregion (UniGR-CBS) in Politik, öffentliche Verwaltung und Gesellschaft, insbesondere der Einspeisung aktueller wissenschaftlicher Ergebnisse in den Aufstellungsprozess des Regionalentwicklungskonzeptes der Großregion (REKGR).

Die Expertise der ForscherInnen des UniGR-CBS trägt damit gezielt zur Vernetzung mit dem INTERREG Projekt Regionalentwicklungskonzept der Großregion (REKGR) bei. Grenzregionen sind in besonderem Maße dazu geeignet, Labore für vergleichende Ansätze und integrative Strategien räumlicher Planung zu etablieren. In diesen Lernprozessen zu Raumplanung und Raumentwicklung können Antworten der Forschung auf sich verändernde Rahmenbedingungen mit gesellschaftlichen Anforderungen verzahnt werden. Die innovativen Ergebnisse der ForscherInnen des UniGR-CBS werden somit unmittelbar für die Praxis der Raumplanung und Raumordnung zugänglich gemacht. Dadurch wird die grenzüberschreitende Governance im Bereich Raumplanung gestärkt und auf eine wettbewerbsfähige Basis gestellt.

Außerdem sollen die wissenschaftlichen Diskurse gezielt für das REKGR nutzbar gemacht werden. Dazu wurden in fünf mit dem REKGR-abgestimmten und für die zukünftige Entwicklung der Großregion relevanten Themenfeldern („Demographie und Migration“- „Mobilität, Verkehrsinfrastrukturen und öffentlicher Verkehr“ – „Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung“ – „Energie“ – „Governance und Außenbeziehungen der Großregion“) kurze Syntheseberichte verfasst die sich aus aktuellen Forschungsergebnissen der Forscher-Innen des UniGR-CBS speisen und Herausforderungen für die Großregion identifizieren.

Die Berichte zu den Themenfeldern wurden in Autorenteams von ForscherInnen aller sechs Partneruniversitäten der UniGR verfasst mit der Vorgabe deren Ergebnisse kurz und verständlich in einem prägnanten Format (ca. 10 Seiten pro Themenfeld) darzustellen. Im November 2018 fand ein gemeinsamer Workshop der ForscherInnen des UniGR-CBS mit dem Wissenschaftsausschuss, der die Aufstellung des REKGR begleitet, sowie Akteuren der Großregion statt. Dieser diente der Reflexion der Raumentwicklung in der Großregion aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Die Syntheseberichte wurden in der neuen Reihe der UniGR-CBS Working Papers veröffentlicht.

Der angestoßene Dialog zwischen ForscherInnen des UniGR-CBS und Akteuren der Großregion wird am Projekt REKGR erprobt und soll damit für die Bewältigung künftiger Aufgaben der Raumplanung langfristig und nachhaltig gesichert werden. In diesem Zusammenhang ist es geplant das Territorial Science Echo auch nach dem Ende der INTERREG Förderung im Rahmen des UniGR-CBS weiterzuführen.

Inhaltsverzeichnis :

  • Vorwort
  • Einleitung
  • Wirtschaftsentwicklung und grenzüberschreitende Erwerbstätigkeit
    • Von einer gemeinsamen Industriesituation zu differenzierten wirtschaftlichen Entwicklungen
      • Nähe von Industriestandorten und gemeinsamer Niedergang
      • Unterschiedliche Regionalpolitiken der industriellen Restrukturierung
      • Die uneinheitliche regionale Wirtschaftsdynamik von heute
      • Sehr unterschiedliche Verhältnisse auf den regionalen Arbeitsmärktens
    • Die Entwicklung der grenzüberschreitenden Beschäftigung
      • Stichwort ‚wirtschaftliche Unterschiede’
      • Stichwort ‚Grenzen’ und ‚Grenzeffekte’
      • Stichwort ‚Sozialkonstrukt des Grenzgängerstatus’
      • Ein Strukturphänomen mit fester Verankerung in den lokalen Wirtschaftsräumen
    • Auswirkungen der grenzüberschreitenden Beschäftigung auf die Wirtschaftsentwicklung
      • Ein Faktor für die gebietsbezogene Regulierung von Arbeitskraftpotenzialen
      • Ein Faktor räumlicher Dynamik
      • Mobilität als Ressource
      • Begrenzungen und Negativeinflüsse
  • Fazit: Herausforderungen und Empfehlungen für die Großregion
  • Literatur
Fazit

Die Herausforderungen im Bereich der Beschäftigung und Wirtschaftsentwicklung in der Großregion sind beträchtlich und vielfältig. Für künftige Beschäftigungsverhältnisse wird es nötig sein, eine Umgestaltung der Arbeitsplätze vorzunehmen und geeignete Lösungen für die Weiterbildung von Erwerbstätigen, die schon beschäftigt sind, zu bieten. Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Alterungsprozesse werden bei der Verfügbarkeit von Arbeitskräften spürbar werden. Die Frage wird auch Auswirkungen auf die Rentenfinanzierung haben, die von immer weniger Erwerbstätigen sichergestellt werden muss. Der Verlust der Sprachkompetenz in der Sprache des Nachbarlandes zwischen dem Departement Moselle und dem Saarland stellt eine Herausforderung für die deutsch-französische Mobilität dar.   
Außerdem sollten Ungleichgewichte in der Wirtschaftsentwicklung verhindert und eine Win-Win-Situation gewährleistet werden.

Mit Blick auf die natürliche Umwelt sind Verkehrsstaus, Verschmutzung, Mobilitätsprobleme in Richtung Luxemburg (und von Luxemburg weg am Tagesende) sicherlich ein beunruhigender Aspekt der grenzüberschreitenden Mobilität.

Die Herausforderung ist auch gebietsbezogen angesichts der Reformierung der französischen Regionen, die eine Schwächung des lothringischen Gravitationszentrums zur Folge hatte. Die grenzüberschreitende Kooperation wurde durch diese vielfältigen, institutionellen Zuständigkeiten erschwert und die Frage der Reichweite der Großregion durch diese neue, französische Struktur komplexer.

Würde man den Rechtsrahmen weiterentwickeln, könnten einige missliche Punkte der grenzüberschreitenden Beschäftigung geklärt werden – etwa durch die Übernahme gemeinsamer Definitionen (wie beispielsweise die Übernahme von Entschädigungsleistungen bei Invalidität) oder gemeinsamer oder besser koordinierter Regeln.

Wirtschaftlich gesehen muss die schwache Wirtschaftsleistung in der Nähe der Luxemburger Grenzen wieder die Frage einer konzertierten und gemeinsamen Wirtschaftsentwicklung aufs Tapet bringen. Gleiches gilt für die Entwicklung von einander ergänzenden, nicht wettbewerbsträchtigen Tätigkeiten zwischen den Gebieten.

Kernaussagen

Die grenzüberschreitende Anerkennung von Abschlüssen und Berufsbildern sollte gefördert werden.

Eine grenzüberschreitende Beobachtungsstelle für verfügbare Ausbildungen, aber auch Qualifikationen und Kompetenzen würde helfen, (bestehende oder zukünftige) Verfügbarkeiten und Bedarfe in allen Teilen der Großregion besser zu überblicken. Damit könnten rasch verlaufende Entwicklungen von Bedarfen an bestimmten sozioprofessionellen Profilen in den Unternehmen besser vorhergesehen und auch die verschiedenen Ausbildungssysteme folglich besser daran angepasst werden. Die Informationen zu Ausbildungsgängen (der Erst- und Fortbildung) und Qualifikationen sollten in einer einzigen Beobachtungsstelle zentralisiert bereitgestellt werden um an Effizienz zu gewinnen.

Eine gemeinsame Finanzierung der Ausbildung würde darüber hinaus sowohl dazu führen grenzüberschreitende Ausbildungen, die den gemeinsamen Bedarfen zu beiden Seiten der Grenze entsprächen, als auch Sprachausbildungen in der Sprache des jeweiligen Nachbarn zu organisieren.

Die Einrichtung von Zonen mit Vorteilsbesteuerung (Freizonen) oder andere Lösungen zum Ausgleich von Besteuerungs- oder Arbeitskosten-Unterschieden zwischen Luxemburg und seinen Nachbarn könnten eine Teillösung darstellen.
Es ist unbedingt notwendig, die Abhängigkeit der Arbeitnehmer vom Auto zu reduzieren und einen Mentalitätswechsel bezüglich der Fortbewegung herbeizuführen. Weiterhin könnten Büros an bestimmten strategischen Punkten nahe der Grenze eingerichtet werden oder eine kontrollierte Telearbeit (z.B. 1 Tag pro Woche für alle) eingeführt werden.

Leitung

Beate Caesar & Karina Pallagst (Technische Universität Kaiserslautern (Hrsg.))

Verfasser des Eintrags
Beiträge

Peter Dörrenbächer (Universität des Saarlandes), Rachid Belkacem (Universität Lothringen) und Isabelle Pigeron-Piroth (Universität Luxemburg)

Ansprechpartner

Beate Caesar

Fonction
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Organisation
Technische Universität Kaiserslautern, Deutschland
Erstellungsdatum
2019
Erschienen in
UniGR-CBS Working Paper series