Komplexität erklärt nichts, solange sie nur behauptet wird.
Komplexität erklärt nichts, solange sie nur behauptet wird.
Verweise auf sogenannte komplexe Grenzen sind in den Border Studies allgegenwärtig. Der Begriff wirkt kritisch und zeitgemäß, bleibt jedoch häufig vage. Was genau wird adressiert, wenn Grenzen als komplex diskutiert werden? Und was geht verloren, wenn Komplexität analytisch folgenlos bleibt?
Die Podcast-Folge setzt hier an. Im Gespräch diskutieren Dominik Gerst (Universität Duisburg-Essen) und Christian Wille (Universität Luxemburg), weshalb ein ernst genommener Komplexitätsbegriff den Blick auf Grenzen grundlegend verändert.
Anstatt Komplexität als bloßes Etikett zu verwenden, thematisieren sie Grenzen als relationale Gefüge, in denen Menschen, Institutionen, Praktiken und Technologien in unvorhersehbaren Konstellationen miteinander verschmelzen. Dadurch erscheinen Grenzen nicht als stabile Ordnungen, sondern als emergente Formationen, die sich situativ entfalten und permanent in Bewegung sind.
Das Gespräch macht deutlich, dass sich Grenzen weder durch lineare Ursachen noch durch additive Modelle erklären lassen. Ihre Wirksamkeit entsteht aus dem Zusammenspiel heterogener Elemente – performativ, widersprüchlich und kontingent. Gerade dort, wo Grenzordnungen brüchig, irritierend oder konflikthaft werden, wird ihre Komplexität spürbar.
In dieser Folge wird in eine noch junge Debatte der Grenzforschung eingeführt und reflektiert, wie Grenzen nicht als feststehende Dinge, sondern als sich entwickelnde Ordnungen gedacht werden können. Sie richtet sich an Zuhörende, die verstehen wollen, welchen Beitrag Komplexität leistet – und welchen nicht, wenn wir über Grenzen sprechen.
Die Podcast-Folge ist während des Aufenthalts (2024) von Dominik Gerst als Gastwissenschaftler am UniGR-Center for Border Studies an der Universität Luxemburg entstanden.
Weitere Einblicke in den Forschungsaufenthalt von Dominik Gerst.
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