Working Paper Vol. 30

Bordering ist plural. Warum Grenzforschende häufig aneinander vorbeireden
Zusammenfassung

Der Beitrag setzt sich mit der in der Grenzforschung etablierten Rede von bordering auseinander und argumentiert, dass diese häufig von einer unzureichenden Explizitmachung der jeweils zugrunde liegenden prozessualen Grenzverständnisse geprägt ist. Vor diesem Hintergrund wird eine Heuristik vorgeschlagen, die zwei idealtypische Zugänge zu Bordering-Prozessen unterscheidet: eine nach Außen gerichtete bordering inspection, die Effekte vorausgesetzter Grenzen untersucht, und eine nach Innen gerichtete bordering introspection, die die Grenze selbst als Ergebnis von sozialen und kulturellen Un/Ordnungsleistungen rekonstruiert. Die Unterscheidung zielt darauf, verschiedene Erkenntnisinteressen, Untersuchungsgegenstände und methodologische Zugänge der Grenzforschung präziser zu verorten und zueinander in Beziehung zu setzen. Anhand von Beispielen wird gezeigt, wie beide Perspektiven einander ergänzen können. Der Beitrag versteht die Pluralität von bordering nicht als konzeptuelles Defizit, sondern als epistemische Chance, deren Nutzung jedoch eine begriffliche Explizitmachung voraussetzt.

Sprachen
Deutsch
Herausgeber
Christian Wille
Datum
Kategorie
Theorien – Konzepte – Begriffe
Publikationsform
Working papers