Über die Großregion forschen: Im Gespräch mit einem UniGR-CBS-Fellow

Francisco Lara-Valencia

Über die Großregion forschen: Im Gespräch mit einem UniGR-CBS-Fellow

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Während seines UniGR-CBS-Fellowships am LEPUR – Universität Lüttich im November und Dezember 2025 absolvierte Francisco Lara-Valencia einen Forschungsaufenthalt über die Großregion als sozio-räumlicher und Governance-Kontext. Im Interview mit dem UniGR-CBS stellt der Professor von der School of Transborder Studies der Arizona State University (USA) seinen analytischen Zugang, seine methodischen Perspektiven und die Relevanz seiner Arbeit für ein besseres Verständnis grenzüberschreitender Dynamiken in der Großregion vor.
 

Ihr Forschungsaufenthalt an der Universität Lüttich im Rahmen des UniGR-Center for Border Studies ist nun zu Ende gegangen. Was waren Ihre zentralen Forschungsaktivitäten in dieser Zeit?

Der Schwerpunkt meines Aufenthalts lag darauf, die Großregion sowohl als institutionelles und politisches Konstrukt als auch als grenzüberschreitenden sozialen Raum zu untersuchen. Besonders interessiert hat mich, wie historische Entwicklungspfade, kulturelle Spezifika und Governance-Arrangements ineinandergreifen und so eine innerhalb des europäischen Kontextes äußerst eigenständige grenzüberschreitende Region hervorbringen.
 

Au sein de la School of Transborder Studies de l'Arizona State University (États-Unis), Francisco Lara-Valencia travaille sur la frontière américano-mexicaine. Photo : ©️ Francisco Lara-Valencia

An der School of Transborder Studies der Arizona State University (USA) arbeitet Francisco Lara-Valencia zur US-mexikanischen Grenze. Foto: ©️ Francisco Lara-Valencia

Wie sind Sie methodisch an diese Forschung herangegangen?

Ich habe mit einer umfassenden Analyse von Dokumenten und wissenschaftlicher Literatur begonnen. Die Auswertung von Policy-Papers, Projektberichten und einschlägigen Publikationen war zentral, um ein belastbares Verständnis des Kontextes zu entwickeln. Parallel dazu habe ich qualitative Interviews geführt, um die dokumentenbasierte Analyse durch Erfahrungs- und Expertenwissen aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft zu ergänzen.

UniGR-CBS: Mit wem haben Sie während Ihres Aufenthalts gesprochen?

Insgesamt habe ich sieben bis acht formelle Interviews geführt. Dazu zählten Vertreter:innen der Wallonischen Region, des Sekretariats des Gipfels der Großregion, von QuattroPole und des Interreg-Programms Großregion, ebenso wie Forscher:innen der Universitäten Lüttich, Luxemburg, Lothringen und des Saarlandes. Mehrere Gesprächspartner:innen stellten zudem ergänzende Dokumente, Datensätze und Karten zur Verfügung, die ich ausgewertet und in meine Analysen einbezogen habe.
 

Francisco Lara-Valencia en visite à l'UniGR-CBS de l'Université de la Sarre à Sarrebruck (Allemagne)

Francisco Lara-Valencia besucht das UniGR-CBS an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken (Deutschland)

Ihre Forschung fokussiert auf Wassermanagement und Raumplanung. Warum sind diese Themen gerade in Grenzregionen relevant?

Grenzüberschreitendes Wassermanagement ist ein wichtiges Forschungsfeld, da Flussgebiete politische und administrative Grenzen systematisch überschreiten. Fragen einer nachhaltigen und resilienten Wassergovernance lassen sich daher ohne grenzüberschreitende Kooperation nicht bearbeiten. In der Großregion wird dies besonders deutlich, da die langfristige Raumplanung unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen, institutionelle Konstellationen und politische Prioritäten miteinander verknüpfen muss.

Sie haben während Ihres Aufenthalts an mehreren wissenschaftlichen und politiknahen Veranstaltungen teilgenommen. Inwiefern haben diese Besuche zu Ihrer Arbeit beigetragen?

Die Veranstaltungen waren äußerst aufschlussreich für mich. Ich nahm unter anderem am elften UniGR-CBS-Forum Großregion, an einem Treffen der assoziierten Partner von ResiRiver, am NL2120-Expert:innenwebinar zur Qualität und Wirkung naturbasierter Lösungen sowie an einem Workshop der UniGR-CBS-Arbeitsgruppe „Border Temporalities“ teil. Die Veranstaltungen ermöglichten es mir, meine Forschung in laufende wissenschaftliche und politische Debatten einzuordnen und meine Fragestellungen weiter zu schärfen.

Gab es Akteure, die Sie nicht einbeziehen konnten?

Trotz mehrerer Versuche war es mir leider nicht möglich, Vertreter:innen der Internationalen Maaskommission, von EU-Institutionen oder des deutschen Bundeslandes Rheinland-Pfalz zu interviewen. Gleichwohl bin ich überzeugt, dass die geführten Interviews und das gesammelte Material eine solide Grundlage bilden, um zentrale Dynamiken grenzüberschreitenden Wassermanagements zu analysieren.
 

Francisco Lara-Valencia stellt seine Forschung am UniGR-CBS an der Universität Lüttich in Lüttich (Belgien) vor.

Welche Ergebnisse erwarten Sie von Ihrem Forschungsaufenthalt?

Kurzfristig plane ich einen Policy-Brief zu Innovationsansätzen im Management grenzüberschreitender Flussgebiete in der Großregion. Außerdem sehe ich großes Potenzial für einen vergleichenden Artikel zur grenzüberschreitenden Wassergovernance in Europa und Nordamerika.

Sie haben während Ihres Aufenthalts auch neue Kooperationsperspektiven angestoßen. Können Sie dazu etwas sagen?

Während meines Besuchs am UniGR-CBS in Metz haben wir verschiedene Kooperationsmöglichkeiten besprochen. Eine besonders vielversprechende Idee war eine vergleichende Befragung von Geographiestudent:innen zu ihrem Wissen und zu ihren Verständnissen von Grenzen, unter Beteiligung der Université de Lorraine, der Arizona State University und potenziell weiterer Partner im afrikanischen Kontext. Diese Initiative zielt darauf ab, die institutionellen Verbindungen zwischen dem UniGR-CBS und der ASU School of Transborder Studies zu stärken.

Wie blicken Sie insgesamt auf Ihre Zeit in Lüttich zurück?

Sehr positiv. Der intellektuelle Austausch mit den Kolleg:innen, meine Anbindung an LEPUR und LEMA sowie die Unterstützung durch das UniGR-CBS waren äußerst bereichernd. Der Forschungsaufenthalt hat meine Arbeit sowohl empirisch als auch konzeptionell deutlich vorangebracht und mir ermöglicht, ein belastbares Netzwerk von Kontakten über die Institutionen der Großregion hinweg aufzubauen. Zugleich bildete er eine solide Grundlage für künftige Forschungsergebnisse und Kooperationen, die sich in den thematischen Fokus des UniGR-CBS der grenzüberschreitenden Governance und Raumplanung einschreiben. Vor meiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten Ende Dezember habe ich meine Forschung im Rahmen der Konferenzreihe „Midi du LEPUR“ an der Universität Lüttich vorgestellt.
 

Das UniGR-CBS bedankt sich für den Austausch.

Weitere Informationen zum Forschungsaufenthalt hier.