Grenzforschung

Working Paper Vol. 30

Visuel
Bordering ist plural. Warum Grenzforschende häufig aneinander vorbeireden
Zusammenfassung

Der Beitrag setzt sich mit der in der Grenzforschung etablierten Rede von bordering auseinander und argumentiert, dass diese häufig von einer unzureichenden Explizitmachung der jeweils zugrunde liegenden prozessualen Grenzverständnisse geprägt ist. Vor diesem Hintergrund wird eine Heuristik vorgeschlagen, die zwei idealtypische Zugänge zu Bordering-Prozessen unterscheidet: eine nach Außen gerichtete bordering inspection, die Effekte vorausgesetzter Grenzen untersucht, und eine nach Innen gerichtete bordering introspection, die die Grenze selbst als Ergebnis von sozialen und kulturellen Un/Ordnungsleistungen rekonstruiert. Die Unterscheidung zielt darauf, verschiedene Erkenntnisinteressen, Untersuchungsgegenstände und methodologische Zugänge der Grenzforschung präziser zu verorten und zueinander in Beziehung zu setzen. Anhand von Beispielen wird gezeigt, wie beide Perspektiven einander ergänzen können. Der Beitrag versteht die Pluralität von bordering nicht als konzeptuelles Defizit, sondern als epistemische Chance, deren Nutzung jedoch eine begriffliche Explizitmachung voraussetzt.

Working Paper Vol. 28

Visuel
UniGR-CBS Working Paper Vol. 28
Zusammenfassung

Das Konzept des „Placemaking“ kann im architektonischen, stadt- und regionalplanerischen Diskurs als etabliert angesehen werden. Es beschreibt Prozesse, durch die Lokalitäten zu identitätsstiftenden Orten werden – durch räumliche Gestaltung, soziale Praktiken und symbolische Aufladung. Dieses Working Paper diskutiert Überlegungen zur Übertragbarkeit und Weiterentwicklung von Placemaking im grenzüberschreitenden Kontext. Im Zentrum steht dabei eine erste theoretische Annäherung an grenzüberschreitendes Placemaking als analytischer Zugang zur Beschreibung ortsbezogener Transformationsprozesse entlang nationalstaatlicher Grenzen. Als Forschungssituation wird die Prä-IBA-Saar-Moselle (2022-2023) als kuratiertes und zugleich experimentelles Planungsvorhaben eingeführt, das der Erkundung der Machbarkeit einer Internationalen Bauausstellung in der Großregion und im Raum Saar-Moselle diente. Durch temporäre Inszenierungen von Grenzorten, narrative Rahmungen und architektonische Formate wurde dort ein Laborraum geschaffen, in dem neue Formen des „Orte-Machens“ an nationalstaatlichen Grenzen erprobt werden konnten. Der Beitrag entwickelt auf dieser Grundlage erste analytische Elemente für eine theoretisch fundierte Erforschung von grenzüberschreitendem Placemaking. Im Ausblick wird aufgezeigt, wie zukünftige Forschung anhand von Fallstudien im Raum Saar-Moselle zur Begriffsschärfung und disziplinübergreifenden Weiterentwicklung beitragen kann.